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Wort der Kirchen vom 6.6.2015 Drucken

Wort der Kirchen – 06. 06. 2015 –
Diakon Andreas Weiß, Katholische Pfarrei St. Burchard, Halberstadt

 
Von Wegen …. 

„Wo geht es denn weiter?“. Zwei junge Leute stellten mir diese Frage Anfang Mai in der Nähe des Seniorenzentrums Vitanas. Eine junge Frau und ein etwa gleich alter Mann – beide mit einem Rucksack und einem Stock unterwegs – suchten nach dem Weg. Sie waren vom richtigen Weg abgekommen … von ihrem richtigen Weg. Von der Huysburg kommend waren sie auf dem Jakobsweg in Sachsen-Anhalt unterwegs. Und wegen der spärlichen Ausschilderung in Halberstadt waren sie schon bald nach dem Ortseingang vom Weg abgekommen, von dem Weg, der europaweit mit einem gelben Muschelsymbol auf blauem Untergrund gekennzeichnet ist. Vielleicht ist Ihnen auch schon einmal eines der wenigen Schilder in Halberstadt oder anderswo begegnet. Es war leicht, die beiden in Richtung Burchardikloster zu weisen; dort hatten sie dann wieder ihren Weg. Sie hatten sich unterwegs getroffen und nun gingen beide gemeinsam weiter in Richtung Naumburg. Sie hatte 14 Tage Urlaub dafür eingeplant; er immerhin 4 Wochen. Bis wohin er kommen würde, das wusste er noch nicht. Beide waren aufgebrochen von ihren Alltagswegen auf einen Weg ins Ungewisse, auf Wege, die sie nicht kannten. 
Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur. Diesen Satz des fränkischen Dichters Johann Paul Friedrich Richter (1763-1825) – besser bekannt unter dem Namen Jean Paul – lese ich seit Beginn des Juni auf einem Kalenderblatt. Und ich finde, er passt gut zu Menschen, die aufbrechen.
Liebe Leserinnen und Leser, viele von Ihnen haben wohl schon einmal von Menschen gehört oder gelesen, die sich auf den Weg in den spanischen Ort Santiago de Compostela gemacht haben. Dass heute wieder so viele dorthin pilgern, tun manche als bloße Mode ab. Aber das Pilgern hat eine sehr lange (christliche) Tradition – eine längere als so manche scheinbar „ewige“ Tradition in der Kirche, die gehegt und gepflegt wird. Beim Pilgern ist es nun aber so, dass es fast von allein wieder praktiziert wird. Niemand hat sich darum bemüht. Keine Anordnung hat es dazu gegeben. Und nicht nur Christen brechen auf, sondern auch viele Menschen, die nicht getauft sind. Aber auch mit ihnen passiert etwas auf dem Weg. Viele erzählen davon, dass sie sich verändert haben, dass sie wieder zu sich selbst gefunden haben. Wie viele fanden darüber hinaus aber auch Gott beim Gehen dieses Weges? Manche von sich aus; viele andere durch die Begegnung mit Menschen, die von Gott und ihrem Leben mit ihm erzählen konnten. Sie haben ihren christlichen Glauben ohne Absichten weitergegeben. Sie wollten niemanden zum Glauben bringen. Sie wollten Gott zu keinem Menschen bringen. Nur mitgegangen sind sie mit anderen, die auch auf dem Weg der Suche und der Auseinandersetzung mit seinem Leben waren. Der Geist des Aufbruchs machte den einen zum Mitteilenden, den anderen zum offenen Empfänger. Einer hinterließ beim anderen eine Spur. Wie viele solche  Begegnungen finden statt – beim Pilgern auf dem Jakobsweg?
Das hinterlässt Spuren bei jenen Menschen, die sich herausfordern lassen vom Leben, die sich damit auseinandersetzen, die nach neuen Wegen suchen. Denn „der Mensch kann nicht mehr andere für sich denken lassen, sondern muss es selbst tun.“ Christen „dürfen den Menschen Gott nicht nur vordenken, sondern müssen ihn dazu hinführen, dass sie selbst Gott erahnen und erspüren. Es geht nicht darum, eine Weltanschauung zu vermitteln, sondern Menschen auf dem Weg zu einer eigenen Beziehung zu Gott zu begleiten. Das geschieht noch zu wenig. Und vieles verstellt sogar den Zugang zu Gott“, schreibt der Karmeliten-Pater Dr. Reinhard Körner in einem Buch.
Vielleicht haben sich die beiden, die in Halberstadt vom Jakobsweg abgekommen waren, auch über Gott und die Welt unterhalten. Sie war Christ, er gehörte zu keiner Kirche, hatte ich im Gespräch mit ihnen erfahren.  
Wie gut ist es, wenn Menschen aufbrechen, wenn sich Menschen auf den Weg machen und nach neuen Wegen suchen. Und wie gut ist es, wenn andere sie dabei begleiten … nicht nur beim Pilgern.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 16. Juni 2015 um 20:54 Uhr
 
 
 
Halberstadt - Dienstag, 21. November 2017
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